Origanum vulgare

Oregano: Echter Dost oder Griechischer Majoran?

Oregano kann wohl als das mediterranste aller Gewürzkräuter gelten. Von Spanien bis in die Türkei gehört der Mittelmeerklassiker in die Küche wie bei uns Dill und Petersilie.

In seiner Sensorik ruft Oregano Assoziationen mit Pizza hervor.

Der Echte Dost ist nicht allein in der Gattung Origanum. Gerne wird sein enger Verwandter Origanum majorana – Majoran – mit ihm in Verbindung gebracht. Was botanisch gesehen Sinn ergibt, macht in der Küche aber noch lange keinen. Während wir Oregano sensorisch eher im Bereich Pizza verorten, spielt Majoran seine aromatischen Stärken vor allem in unseren Eintöpfen und Würsten aus. Übrigens haben beide auch verschiedene botanische Ursprünge: Oregano stammt aus dem Mittelmeerraum, Majoran hat seine botanische Heimat in West- und Zentralasien.

Außer bei Pizza und meiner Lieblingsanwendung Tomaten in Olivenöl mit Oregano, Knoblauch und etwas Salz macht Origanum vulgare auch durch eine Vielzahl vermuteter und/oder beobachteter gesundheitlicher Wirkungen auf sich aufmerksam. Dem wichtigsten aromagebenden Bestandteil des ätherischen Öls von Oregano, Carvacrol (bis 70%), werden z.B. antivirale Eigenschaften zugeschrieben, die bei Gewürzen und Gewürzkräutern sonst nicht so verbreitet sind. Daneben bedient Oregano die gesamte Klaviatur der Gesundheitswirkungen von antibakteriell bis krebshemmend.

Wenn ich Oregano beim Kochen mit anderen Gewürzkräutern kombinieren wollte, würde ich erstmal an Rosmarin und Salbei denken. Sein wirklicher aromatischer Seelenverwandter ist allerdings Thymian.

Oregano Plantage in Higueras, Mexiko (© Eduardo Aguiñaga)

Bei Recherchen über das populäre Südstaatengewürz Cajun stieß ich auf “mexikanischen Oregano”, der neben Thymian, Chili, Paprika, Knoblauch und Zwiebel ein obligatorischer Bestandteil der Mischung ist. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine weitere Origanum-Art, wie zu vermuten wäre, sondern um eine völlig andere Pflanzengattung – Lippia origanoides oder graveolens – aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Botanisch besteht somit keine Verwandschaft zu Origanum vulgare, sondern zur ebenfalls in Amerika heimischen Zitronenverbene Lippia citriodora. Die Namensgleichheit beruht offenbar ausschließlich auf der ähnlichen Sensorik, da das ätherische Öl des mexikanischen Oregano, wie das seines mediterranen Namenspatrons, ebenfalls von Thymol und Carvacrol bestimmt wird. (Über die sensorischen und kulinarischen Unterschiede zwischen mexikanischem und mediterranem Oregano aus amerikanischer Sicht.)

Tipp für den privaten Endverbraucher: Oregano gehört zu den Gewürzkräutern, die am häufigsten mit artfremden Bestandteilen (z.B. Olivenblättern) gestreckt werden. Das geschieht i.d.R. am Ursprung. Manch ein Erzeuger versucht so, seinen kleinen Anteil an der Gesamtwertschöpfung etwas aufzubessern. Wer hier sicher gehen will, kauft getrockneten und gerebelten Oregano besser bei bekannten Unternehmen mit zertifizierten Systemen zur Qualitätssicherung.

In letzter Zeit kommt Oregano gerebelt auch durch “PA” ins Gerede. Es handelt sich hierbei um Rückstände von Pyrrolizidinalkaloiden – giftigen und in der EU verbotenen Pflanzenschutzmitteln. Dem wohlfeilen Alarmismus von Verbraucherschützern schließe ich mich freilich nicht an. Jeder ordentliche Gewürzkaufmann sorgt von sich aus für Qualität und Unbedenklichkeit seiner Produkte. Wenn Rückstände in Supermarktware entdeckt werden, liegt das nicht an kriminellen Lieferanten, sondern an der Überforderung der Erzeuger. Wir verbrauchen einfach zu viel bei viel zu geringen Preisen. So viel Oregano, wie in der EU verbraucht wird, können die Ursprünge dieser Welt einfach nicht in der amtlich dekretierten Qualität liefern. Preise rauf und Verbrauch runter würde das “PA”-Thema schnell entschärfen.

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